Egal!
Mein Buchsuchstöckchen habe ich nicht weitergeworfen. Hatte leider keine Zeit. Sorry! – Egal. Heute kam mir so ein Gedanke: “Bin ich Schuld, dass sich Kurt Cobain in den Kopf geschossen hat?” – Irgendwie fühle ich mich schuldig. Kurt hat es nie verkraftet, dass von Nevermind zehn Millionen Alben verkauft wurden. Und das ist das tragische, auch ich habe mir eins gekauft. Bin ich schuldig? Habe ich ihn in den Tod getrieben? Egal. Irgendwann habe ich das Alben verkauft. Es entsprach gar nicht so meinen Werten und ich meinte mir würde es besser gehen, wenn jemand anderes Nevermind besitzt. Doch so egal war mir der Verkauf nicht. Jahre war ich neidisch bei Freunden Nevermind stehen zu sehen. Am Freitag habe ich bei booklooker.de für 3,40 € endlich wieder zugeschlagen, heute lag es in der Post und folgendes passierte:
- Smells like teen spirit: Ein Knaller, mir fällt fast der Putzlappen aus der Hand, ich schmecke fast die Luft von 91-92. Mein Bauch wird dünner, meine Figur ungelenkt, meine Nase größer, die Pickel mehr. Plötzlich weiß ich wieder wie mein erstes Bier schmeckte.
- In Bloom: Bin jetzt am saugen und bekomme das Lied nicht so mit, aber tief innen werde ich wilder, verzweifelter, depressiver.
- Come as you are: Gibt es denn ein geileres Bass Intro. Habe mal für ein Jahr Bass gespielt, dieser Basslauf lässt meine Finger tanzen. Es geht nicht anders.
- Breed: Schon bei Come as you are ging es los. Bei mir setzte eine leicht narkotische Phase ein. Ich bin in einer anderen Welt, in einem anderen Universum, ich bin 1991.
- Lithium: Muss mal an die Tanke Bier und Zigaretten kaufen. Warum klang meine Stimme früher viel krasser, so etwas rauer. Heute hört sich mein Yeah an wie ein bei einem Thomaner im Stimmbruch.
- Polly: Ich auf einer Wiese am Tag als Conny Kramer starb.
- Territorial Pissing: An einigen Stellen hört man, dass Nirvana eigentlich nur Müll einspielen wollte. Zum Beispiel hier. Interessant: Plötzlich fühle ich mich auch so. Muss ich mir jetzt die Haar schneiden, muss ich duschen gehen?
- Drain You: Gleite durch den Soundteppisch wie damals mit meinem gelben Kadett E durch den Westerwald. Tiefer, breiter, Motor am Arsch. Der Höhepunkt der CD ist eigentlich nicht hier. Aber wenn die Anlage so richtig laut ist …
- Lounge Act: … übersteht man auch noch dieses Lied, bis man mit …
- Stay Away: … endlich wieder Fahrt aufnehmen kann. Ich wusste gar nicht, dass Dreck soviel Emotionen hervorrufen kann.
- On A Plain: Mache die Tür auf und bin nicht mehr alleine. Es nimmt mir etwas das berauschend narkotische plötzlich wieder von Menschen umgeben zu sein.
- Something In The Way: Nichtsdestotrotz, spätestens jetzt könnte ich mich totschießen. Ich liebe dieses Lied.
Wie heißt es so schön auf Bayern3:
Nirvana trifft wie keine andere Band den Nerv der Kids Anfang 1990: Es gibt für sie keine Aussichten mehr auf eine strahlende Zukunft, die materialistischen Werte der Elterngeneration erregen nur noch Übelkeit. Was bleibt, sind totale Leere und Verweigerung in einer Welt ohne Illusionen. Äußerlich drücken die Kids das genau wie ihr Vorbild Kurt Cobain durch lange filzige Haare und Klamotten aus, die sie aus dem Lumpensack wieder rausgewühlt haben.
Nirvana Nevermind ist mehr als Musik, das ist Lebensgefühl. Das ist mein Lebensgefühl, das ist das Lebensgefühl meiner “besten” (ha,ha) Jahre – Bis auf das Finale Ende, dass stelle ich mir für mich anders vor. Habe ich eine Mitschuld weil ich den Kommerz mitgemacht habe? Egal!